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Commerauer Sagen  
von der Mittagsfrau und dem Wassermann  

Mittagsfrau - pøipo³dnica

Die Mittagsfrau ist eine Sagengestalt im slawischen Sprachraum, natürlich auch bei den Sorben.  Mittags zwischen 12 und 1 Uhr durfte niemand auf dem Feld arbeiten, sonst kommt die Mittagsfrau im weißen Gewand mit Sichel und das hat nichts Gutes zu bedeuten. Auch in Commerau ist sie erschienen ...

  
 
Motiv auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost 1991

1. Ungefähr 400 Meter unten von der Brücke am Neugraben hat der Knecht des Bauern Heduschke den Krautacker geackert. Das Gewände war dazumal ziemlich lang, vom Lehmgraben bis zum Neugraben. Es war schon ziemlich gegen Mittag, und Vater Heduschke kam noch immer nicht mit dem Frühstück raus. Der Knecht hat am Neugraben etwas ausgeruht und dabei tüchtig geschimpft und geflucht. Als er sich umdrehte, stand hinter ihm die pøipo³dnica (Mittagsfrau) und sagte: “Schimpfe nicht, hier hast du dein Frühstück”. Hinter dem Knecht stand ein Korb mit einem runden Quarkkuchen, wie er zur Kirmes gebacken wird, und ein Lehmtopf mit Gerstenbrühe. Die pøipo³dnica sprach: “Essen kannst du vom Kuchen soviel wie du willst, aber die Rinde ringsherum  darfst du nicht anschneiden und den Gerstentopf darfst du austrinken, jedoch den Topf nicht mit dem Mund berühren”.  Der Knecht war auch nicht von gestern, schnitt die Rinde ringsherum ab und aß nun den Quarkkuchen. In der Tasche hatte er eine kleine Pfeife, welche er von einem grünen Strohhalm  zum Pfeifen hatte. Er nahm den Strohhalm und trank die Gerstenbrühe aus. So musste die pøipo³dnica unverrichteter Dinge wieder gehen.

2. Die Kleinmagd Hanža Krauz, welche bei dem Bauer Lukas diente, wollte gern nach der heiligen Stadt Wittichenau zum Markt gehen, der zur damaligen Zeit am Dienstag war. Sie hatte bei der Bäuerin die Bitte gestellt, ihr den betreffenden Tag frei zu geben. Diese hat ihr das mit folgender Bedingung bewilligt: Sie musste zuvor an der Krotschiza vom Großsärchener Weg unten vom Graben zwei Beete das Unkraut im Flachs ausjäten.Um das fertig zu bringen, hat sie sich den ganzen Sonntagnachmittag daran gemacht und am Montag beizeiten begonnen, damit sie abends fertig ist. Als die Magd mit Schlag 12 Uhr nicht fertig und vom Feld war, stand die pøipo³dnica mit Sichel vor ihr und fragte, wer ihr die Erlaubnis gegeben habe, 12 Uhr noch draußen zu sein. Da hat die Magd gesagt: “Liebe Frau, nur einige Wörter will ich mir ausbitten.” Das wurde ihr erlaubt und sie  sagte fortwährend: ”Z lenom je wulka hara, najprjedy dyrbi m³óæeny byæ. Z lenom je wulka hara........(Mit Flachs ist es eine große Mühe,  zuerst muss er gedroschen werden, mit Flachs ist es eine große Mühe......)”. Das sagte die Magd so lange,  bis die Uhr in Särchen 1 schlug. Da sprach die pøipo³dnica: “Dich hat der Teufel klug gemacht”. Seit diesem Vorkommnis ist die pøipo³dnica ins Gebirge gegangen und bis zum heutigen Tag ist sie nicht wieder gekommen.

Und  noch eine Sage vom Wassermann

Während eines Tanzes in der Hofschänke fehlten auch die Töchter des wódny muž (Wassermann) nicht.Sie drehten sich belustigt mit den jungen Burschen vom Dorf beim Tanz. Nach Schluss des Tanzes wurden die beiden Töchter von zwei jungen Burschen in ihr Heim begleitet. Als die vier beim Kaffee und gutem Kuchen saßen, kam der wódny muž polternd nach Hause. Er hatte auch vom guten žitny (Korn) etwas mehr genossen als sich gehört. Er schimpfte schon draußen. Als er in die Stube eintrat, fragte er: ”Was ist denn hier los?  Es stinkt ja so nach Menschenseele”. Die beiden Töchter entschuldigten sich sehr und sagten, sie wären in der Hofschänke zum Tanze gewesen und den Geruch mit der Kleidung mitgebracht. Die beiden Burschen hatten sie schnell in die daneben angrenzende Stube in den Backtrog gesteckt. Wenn sie der wódny muž entdeckt hätte, wäre es ihnen schlecht ergangen. Als die beiden Töchter den wódny muž ins Bett geschafft hatten, entfernten sich die beiden Burschen auf Nimmerwiedersehen.

Aus der Ortschronik  wörtlich abgeschrieben von Alenka Hager.