Geschichte &Geschichten - Beiträge von Mitgliedern des Geschichtsvereines RAK  e.V Königswartha

 




 

 

                            

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Aufzeichnung aus dem Jahr 1913

 

Zum 100. Jahrestag der „Schlacht am Eichberg“ wurde auf dem Gipfel des Eichbergs ein Denkmal aus Granit in Form eines Pyramidenstumpfs erbaut; der Ablauf der Feierlichkeit – 1 Jahr vor Beginn des 1. Weltkrieges - wurde damals wortgetreu notiert:

 

„Weißig (bei Lohsa), 10. März. Grundsteinlegung.

In sehr würdiger Weise beging der Kriegerverein Steinitz = Hermsdorf und Umgebung die Feier des 10. März durch die Grundsteinlegung des Denkmals auf dem Eichberge, dazu hatte sich eine große Menge Zuhörer eingefunden, ebenso nahmen die Oberklassen der zum Bezirk des Kriegervereins gehörenden beiden Schulen Steinitz und Hermsdorf unter Führung des Herrn Lehrer Petzold teil. Mit dem Liede: „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ wurde die Feier eingeleitet. Danach hielt Herr Pfarrer Golzsch = Königswartha, der seine sehr wirkungsvolle und zu Herzen gehende Ansprache. Ausgehend von der Bedeutung des Tages, als dem Geburtstage der Königin Luise und dem Tage der Stiftung des eisernen Kreuzes, wies Herr Pfarrer Golzsch nach, in wie hohem Grade gerade dieser Tag geeignet sei, an ihm den Grundstein zu legen zum Denkmal für die tapferen Gefallenen im Gefecht bei Weißig. In diesen Tagen wurde vor hundert Jahren der Grundstein gelegt, zur Erhebung Preußens. Gewaltig klangen sie hinaus und hinein in die Herzen aller wahrhaft deutsch fühlenden Männer, jene Worte des Aufrufs „An mein Volk“, den Herr Pfarrer Golzsch nun verlas. Gerade jener Aufruf und das Leitwort, welches der König damals seiner treuen Landwehr zum heiligen Kriege mit auf den Weg gab: „Mit Gott für König und Vaterland!“ sie sind uns Mahnworte geworden, die uns zurufen: Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Gottesfurcht, die Wurzel der Kraft, so lautet der Hauptinhalt jener Königsworte, und der Glaubensinhalt der beiden hehren Lichtgestalten, an die uns der gestrige und der heutige Tag erinnern: die unvergeßliche Königin Luise und ihr großer Sohn, Kaiser Friedrich der Große. Wunderbar klingen sie zusammen die Worte des Aufrufs: „der Sieg geht von Gott aus“ und Wilhelm des Großen Worte nach der Schlacht bei Sedan: „Welche Wendung durch Gottes Fügung!“ damals, 1813 raffte sich das Volk auf nach der Zeit der religiösen Verirrung und der Prüfung von 1806 – 1807 zur rechten Gottesfurcht, die überall Gottes leitende Hand in der Geschichte der Völker erkennt. Gottesfurcht predigten auch die Dichter jener Zeit, als die sicherste Grundlage des Gelingens des Freiheitskampfes. Und der Gottesfurcht ging als schönste Zier des Volkes eine unvergleichliche Vaterlandsliebe und Opferfreudigkeit zur Seite, welche man wohl am besten schildert mit dem zur Tat gewordenen Worten: „Gold gab ich für Eisen 1813!“ Gottesfurcht und Vaterlandsliebe war auch der Leitstern jener Helden, die hier gekämpft und den Ehrentot für’s Vaterland gefunden haben. Gottesfurcht und Vaterlandsliebe wird uns und allen Zeiten das Denkmal predigen, das sich zu ihrem Gedächtnis erheben soll. Wie hier Stein an Stein sich fügt, so sollen auch die Herzen sich zusammenfügen zur Königstreue und Vaterlandsliebe. Das sei die hohe Predigt des Baues, der hier begonnen werden soll. Wenn so, wie damals, das Volk auf solche Predigt hört, und einst wie vor hundert Jahren sich danach richtet, dann muss es auch in Zukunft heißen wie 1813: „Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein!“ Danach schritt Herr Pfarrer Golzsch zum bekränzten Grundstein, und schloß seine Ansprache mit der Ermahnung: „Haltet hoch die Fahne, damit ein jeder beweise Gottesfurcht, Treue dem Könige und Vaterlandsliebe, dann wird der Grundstein seine Bedeutung erlangen, wenn er nicht nur gesetzt wird als toter Stein, sondern mit lebendigem Herzen. Unter Hammerschlägen weihte Herr Pfarrer Golzsch den Stein mit den Worten: „Mit Gott für König und Vaterland!“ Dann trat Herr Leutnant d. R. Köhne heran und vollzog die Grundsteinlegung mit den üblichen drei Hammerschlägen unter dem Motto: „Dem Feinde ein Eckstein, den Toten ein Grabstein, dem Vaterlande ein Edelstein.“ Darauf folgte der Vorsitzende des Kriegervereins, Herr Lehrer Becker. Mit kurzen Worten wies er auf den Ort als Gefechtsfeld vom 19. Mai 1813 hin. Er erinnert daran, das hier hunderte tapferer Krieger schlafen, daß es eine Ehrenpflicht deutscher Männer sei, Ihnen dankbares Gedenken zu bewahren, welches einen äußeren Ausdruck im Bau des Denkmals finden soll. Seine Hammerschläge begleitete er mit den Worten: „Den tapferen Gefallenen zur Ehr‘, uns und der Nachwelt zur Lehr, dem Vaterlandsfeinde zur Wehr.“ Auch der Vorsitzende des Kgl. Sächs. Militärvereines Königswartha, Herr Kaufmann Keller schloß sich mit warmen Worten kameradschaftlicher Widmung mit drei Hammerschlägen an. Für die erschienene Jugend ergriff Herr Lehrer Petzold den Hammer mit dem Mahnwort: „Ans Vaterland, ans treue schließ dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen.“ Nun trat Herr Leutnant d. R. Köhne nochmals vor und hielt folgende Ansprache: „Kameraden, wir haben nun den Grundstein gelegt zum Weißiger Denkmal. Wie die Treue jener Männer, die hier nahezu 100 Jahre den Heldentot schlafen, Grund und Fundament war zum ruhmvollen Erfolge des Gefechts, wie dieser Stein, den wir hier zum Grundstein geweiht haben, das Fundament des Denkmalbaues werden soll, ebenso ist die unwandelbare Treue zu Kaiser und Reich Grundstein und Fundament für die Existenz und Zukunft unseres Volkes. Ich bitte Sie daher, in dieser weihevollen Stunden den Treuschwur zu unserm Hohenzollernhause zu erneuern und mit mir einzustimmen in den Ruf: „Sr. Majestät unser allergnädigster Kaiser und Herr, Kaiser Wilhelm II., er lebe hoch.“ Nach dem begeistert ausgebrachten Hoch sang die Versammlung die Nationalhymne. Ein kurzes Gebet des Herrn Pfarrers mit dem sich anschließenden Gesange des Liedes: „Nun danket alle Gott“, beschloß die Feier. Der Kriegerverein marschierte nach dem Gasthause in Weißig, um beim Glase Bier noch einige frohe Stunden mit den erschienen Gästen zu verbringen.“

 

 

Und so wird es auch geschehen sein. Heute wissen wir: Die damals betrauerten Opfer waren für die Nachwelt keine Lehre. Nur ein Jahr später brach der 1.Weltkrieg aus. Er forderte fast zehn Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete unter den Soldaten. Die Anzahl der zivilen Opfer wird auf weitere sieben Millionen geschätzt.

Ca. 20 Jahre nach Beendigung dieses Krieges fanden während des Zweiten Weltkrieges, Schätzungen zufolge, über 63 Millionen Menschen den Tod (davon mehr als 45 Millionen in Europa und über 17 Millionen in Asien). Es kamen mehr Zivilisten um als Soldaten bei Kampfhandlungen. Am stärksten betroffen war die Sowjetunion mit etwa 26,6 Millionen getöteten Menschen, darunter 11,4 Millionen Soldaten, von denen drei Millionen in deutscher Kriegsgefangenschaft starben.

 

   

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