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Commerau vor 100 Jahren - Geschichtsverein RAK e.V.Königswartha

Königswarthaer Geschichtsverein-RAK
Stawizniske towarstwo "RAK" w Rakecach
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Commerau vor 100 Jahren


Commerau vor 100 Jahren
 
Bis 1957 war Commerau eine eigenständige Gemeinde mit den Ortsteilen Entenschenke und Truppen. Truppen war bis 1936 auch eigenständige Landgemeinde mit eigener Gemeindeverwaltung. Die Siedlung Entenschenke gehörte seit ihrer Entstehung im späten 18. Jahrhundert strukturell und grundherrschaftlich zum Gut bzw. Rittergut Commerau, weshalb sie mit der Bildung der modernen sächsischen Landgemeinden im 19. Jahrhundert automatisch als Ortsteil zur Gemeinde Commerau zählte. Vor hundert Jahren gab es in Commerau 376 Einwohner (nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925), die größtenteils Sorbisch sprachen und evangelisch-lutherischer Konfession waren. Es waren traditionell 26 Hofstellen registriert, davon waren 13 Vollbauernhöfe. Sie besaßen ausreichend Land und das nötige Zugvieh (Pferde), um große Felder zu bewirtschaften. Kätner (Gärtner / Halbbauern oder Nahrungsbesitzer genannt) gab es 5 zur damaligen Zeit. Sie besaßen kleinere Hofstellen mit eigenem Land, das für die Eigenversorgung reichte. 8 Häusler hatten keinen klassischen Bauernhof, sondern lediglich ein kleines Wohnhaus mit einem winzigen Garten- oder Stallanteil (oft nur für eine Ziege). Wirtschaftlich lebten die Häusler 1926 als Tagelöhner, Teicharbeiter für das Rittergut Commerau oder bereits als Industriearbeiter in den nahegelegenen Kaolinwerken. Bürgermeister war Karl Krahl,Gemeindeältester:
August Pelch, Leiter der Darlehnskasse Commerau August Schudack und Ortsrichter Johann Kschieschan. Interessant war die Funktion des Gemeindewaisenrates Johann Nakonz. Er konnte Vormünder vorschlagen in Zusammenarbeit mit dem Vormundschaftsgericht, sollte sich um das Kindeswohl und um Missstände im Dorf kümmern. Johann Nakonz war der Dorfbäcker, hatte auch ein öffentliches Telefon und war eine angesehene Persönlichkeit im Ort. Andere Ämter, wie Gendarmerie, Standesamt, Hebamme usw. wurden von Königswartha ausgeübt.
 
Es gab eine Dorfschmiede, Stellmacherei, Windmühle, Holzpantoffelhersteller, Bäckerei, 2 Gaststätten, Kolonialwarenhandel und verschiedene Vereine, darunter ein Gesangsverein und ein Turnverein, die beide vom Lehrer Wehle geleitet wurden. Eine freiwillige Feuerwehr gab es noch nicht, dafür eine Pflichtfeuerwehr. Alle gesunden Männer waren zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Die Protokolle der Gemeinderatssitzungen wurden von den Gemeindeverordneten unterschrieben. Protokollführer war Lehrer Wehle, später dann Lehrer Pillack.                        

                                           
                                                            Unterschriften der Sitzung vom    29.Mai 1926
 
Der Gemeindevorsteher/ Bürgermeister, damals Karl Krahl, leitete die Sitzung mit Vorlesen der Tagesordnung und ihre Abstimmung, so wie wir es heute noch kennen.
  Die Sitzungen wurden in Schiemanns Gastwirtschaft durchgeführt, meist in nichtöffentlicher Sitzung.

                  

In der Sitzung am 29. Mai 1926 ging es hauptsächlich um die Festlegung der Hundesteuer.
 
Man einigte ich auf 3 Mark für den 1. Hund und 12 Mark für den 2.Hund.
Das waren die gesetzlichen Mindestbeträge, die in 2 Raten bezahlt werden durften:
Am 1. April und 1. Oktober.
Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Wahl eines Ortsdieners und Nachtwächters. Dafür gab es 3 Bewerber: Max Schimank- Wirtschaftsbesitzer, Johann Krahl- Rentenempfänger und Karl Neumann - Auszügler. Nach heftiger Diskussion einigte man sich auf Johann Krahl, probeweise auf 1 Jahr (vom 1. Juni 1926 bis 31. Mai 1927) mit vierteljährlicher Kündigung.  Am 18. Juli 1926 wurde dann noch beschlossen, Ortsdiener und Nachtwächter Johann Krahl von der Zahlung der Wohnungsmiete während seiner Amtszeit zu befreien und für den Nachtwächter eine „Röhllampe“ (Rüböllampe, denn Petroleum war zu teuer) zum Gebrauch im Winter anzuschaffen.
 Die Gem.-Verordneten beschließen, ein Signalhorn für den Ortsdiener anzuschaffen. Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass dem Unfug Jugendlicher besonders während der Nacht
scharf entgegenzutreten ist.  
In der alten Schule wurden im Obergeschoss 2 Wohnungen ausgebaut. Für die beiden Wohnungen haben sich 5 Bewerber gemeldet. Am 18. Juli wurde nach Besichtigung der Wohnungen durch die Gemeindeverordneten beschlossen, dem Schneider Schiemann die südliche und dem Arbeiter Johann Wagner die nördliche Wohnung im 1. Stock zuzuweisen. Die Miete sollte für jede Wohnung 200 M pro Jahr betragen. Die untere Etage wurde noch als Gemeinderaum genutzt. Später einigten sich die Mieter mit dem Gemeinderat auf 140 Mark Miete und die Mieter sollten die Beleuchtung des Treppenhauses und des Gemeindesaales in der unteren Etage abwechselnd bezahlen. Solche Beschlüsse wurden allerdings selten einstimmig beschlossen, es gab immer davor ausgiebige Diskussionen. Nachdem die alte Schule wegen dem Neubau der Schule im Oberdorf nicht mehr gebraucht wurde, war sie das Armenhaus bis zum obigen Umbau.
In den geheimen Sitzungen der Gemeindeverordneten ging es zum Beispiel auch um Wegerechte, Steuern und Abgaben, Hilfe für Bedürftige, Baumaßnahmen oder Beitritt zum Landeskrankenverband und Entschädigung der Gemeindeorgane. Kaum ein Beschluss wurde einstimmig angenommen, es gab dabei heftige Diskussionen.
           
             Gemeindeverordnete     am 31.12.1932 nach erfolgter Rechnungsprüfung der letzten 3 Jahre
 
Beim Lesen der alten Protokolle der Commerauer Gemeindevertretersitzungen kommt man zu der Erkenntnis, dass es damals auch Demokratie gab, aber die Bürokratie ebenso. Frauen hatten allerdings nichts in diesem Gremium und bei amtlichen Angelegenheiten zu sagen. Dafür musste immer ein Mann dabei sein.
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Quellen:  handschriftliche Protokolle der Sitzungen des Gemeinderates in Commerau, „Einwohnerbuch für die Amtshauptmannschaft Bautzen“ von 1924 - Alenka Hager, im Juni 2026 -
 

18.08.2026
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